Das Jugendamt: „Wir bekommen sehr viel vom Frust der Eltern mit.“

Passend zum Beitrag von letzter Woche gibt es hier nun die Schilderung des Jugendamts, das uns gemeinsam mit Familieninfobüro und Familienbeirat unsere Fragen beantwortet hat. Das Jugendamt fokussiert nach eigener Aussage vor allem zusätzliche wohnortnahe Betreuungsplätze.

Eure Meinung würde uns sehr interessieren, gern als Kommentar unter diesem Beitrag oder auf unserer Facebook-Seite.

1. Wie schätzen Sie die Kita-Situation in Leipzig ein? 

In Leipzig gibt es ca. 21.600 Kitaplätze (Stand April 2013). Hinzu kommen etwa 2500 Plätze bei Tagespflegepersonen. Bereits jetzt werden über 65% der Kinder unter drei Jahren und über 90% der Kinder ab drei Jahren in Kita und Tagespflege betreut. Ziel der Stadt ist es, zusätzlich zu dem bereits bestehenden Angebot 2.500 zusätzliche Plätze bis Ende 2013 zu schaffen. 35 Kitas wurden in den letzten Jahren bereits neu gebaut oder deutlich erweitert. Über 40 Neu- und Erweiterungsbauten werden zum Teil noch in diesem und in den nächsten Jahren folgen.

2. Welche Rolle spielt die Kinderbetreuung für die Stadt Leipzig?

Um die Stadt noch kinder- und familienfreundlicher zu machen, wurde ein Aktionsplan bis zum Jahr 2015 erarbeitet. Darin sind verschiedene Schwerpunkte für die Stadt benannt. Der allererste Schwerpunkt  darin heißt: Sicherung einer wohnort- oder arbeitsnahen, nachfrageorientierten Versorgung mit Plätzen in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege. Das Thema hat also höchste Priorität.  

3. Wie werden Kita-Themen im Stadtrat g diskutiert? Inwiefern spielen die Belange der Familien hier direkt eine Rolle?

Die Planung für die Kitaplätze des folgenden Jahres wird jährlich vom Stadtrat beschlossen. Außerdem hat der Leipziger Stadtrat eine langfristige Planung bis zum Jahr 2025 beschlossen. Dabei werden die Stadtgebiete besonders bedacht, die bei Familien mit Kindern am beliebtesten sind – wie Gohlis, Schleußig und die Südvorstadt. In den fachlich zuständigen Ausschüssen wird regelmäßig von der Verwaltung über den Stand des Platzausbaus informiert.

4. Was muss aus Sicht der Stadt/des Jugendamtes vorrangig verbessert werden, um die Situation für die Familien zu verbessern? 

In erster Linie müssen wir zusätzliche Plätze schaffen, um dem Betreuungsbedarf noch besser gerecht zu werden.

5. Warum ist die Umsetzung von Verbesserungen so schwierig? 

Beim Bau einer Kita sind viele Dinge zu berücksichtigen. Vom geeigneten Grundstück, über die Bauplanung, die bauliche Durchführung, bis hin zur Erteilung der Betriebserlaubnis sind viele Akteure am Prozess beteiligt. Das erfordert intensive Kommunikation sowie Abstimmung und es müssen in der Regel sehr komplexe Verfahrensabläufe eingehalten werden. Um hier besser als bisher vorwärts zu kommen, wurde eine Projektgruppe „Kitabau“ eingerichtet, die wöchentlich tagt und alle Abläufe bündelt, koordiniert und bei unterschiedlichen Auffassungen der Prozessbeteiligten eine Konsensfindung herbeiführt, um eine zügige Umsetzung der Bauprojekte zu gewährleisten.  Das Programm schafft eine erhebliche zusätzliche Ressource. Diese gilt es in kurzer Zeit zu schaffen.

6. Was kommt bei Ihnen von dem Frust der Eltern an und wie gehen Sie damit um?

Jede Woche nutzen viele Eltern die Sprechzeiten der Kita-Abteilung. Da bekommen wir sehr viel vom Frust der Eltern mit. Wir sind uns darüber klar, dass eine lange und nicht erfolgreiche Kitasuche Eltern sehr belastet.  Im Gespräch wird dann gemeinsam nach möglichen Lösungen und noch nicht ausgeschöpften Handlungsoptionen gesucht.

7. Inwiefern spielen die Belange „betroffener“ Eltern eine Rolle bei der Planung und Umsetzung von Veränderungen im Kita-Bereich?

In diesem Jahr haben wir das Verfahren unserer Kitaplanung mit der Anschreibenaktion und der Einführung eines Betreuungsbedarfanmeldeformulars verbessert und können detaillierter planen. Auch die Entwicklung in den Stadtteilen nehmen wir hier stark mit in den Blick, da sich die meisten Eltern einen wohnortnahen Betreuungsplatz wünschen.
Mit dem Erhalt der Geburtsurkunde im Standesamt wird den Eltern im Zusammenwirken mit dem Familieninfobüro Informationsmaterial und ein Bedarfsanzeigeformular ausgereicht. Damit können Eltern ihren Betreuungsbedarf rechtzeitig bei der Stadt anmelden. Für die Verwaltung entsteht so eine weitere Informationsquelle für den zu erwartenden Betreuungsbedarf, der in die Kitaplanung einfließt.

8. Was können betroffenen Eltern tun, die trotz ausdauernder Suche keinen Kitaplatz finden können?
 
Dran bleiben und immer wieder alle Optionen prüfen. Also nicht nur Krippe und Kindergarten, sondern auch Tagespflegepersonen wohn- oder arbeitsortnah suchen. Wenn möglich, sollten auch private Betreuungsmöglichkeiten (Familie, soziales Umfeld) als Übergangslösung ausgeschöpft werden.

Wer 6 – 8 Wochen vor dem Betreuungsbedarf noch keine Betreuungsmöglichkeit gefunden hat, kann sich  an die Abteilung Kindertagesstätten im Rathaus Wahren (Sprechzeiten Dienstags 9:00-12:00 Uhr und 13:00-18:00 Uhr sowie Donnerstags 9:00-12:00 Uhr und 13:00-16:00 Uhr) wenden.

9. Was möchten Sie den Leipziger Eltern mitteilen? 

Die Stadt arbeitet mit aller Kraft am Ausbau der Platzkapazitäten. Die Belegung der Kitaplätze ist unmittelbar an den Schuljahresrhythmus gebunden. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Situation zum Schuljahresbeginn 2013/14 entspannt, da hier viele Kinder in den Hort überwechseln und somit ein „großer Schwung“ Kinder in die Kitas nachrücken kann. Mit unseren Neu- und Erweiterungsbauten wird es bis Ende 2013 noch mehr Eltern möglich sein einen Betreuungsplatz zu finden. Mit dem weiteren Ausbauprogramm hoffen wir den tatsächlichen Bedarf an Betreuungsplätzen künftig bis auf wenige Ausnahmen komplett abzudecken. Die Hauptressource im Ausbau des Platzangebotes wird bis Ende 2014 zur Verfügung stehen.

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