Und der letzte Platz in der Kategorie „Betreuungsqualität“ geht an: Sachsen!

Gestern wurden die Ergebnisse einer Bertelsmann-Studie zur frühkindlichen Betreuungsqualität veröffentlicht und es wird klar: Sachsen ist von den Empfehlungen für kindgerechte Betreuungsverhältnisse weit entfernt!

„Auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft kommen in Sachsen durchschnittlich 6,5 ganztags betreute Krippen- oder 13,6 Kindergartenkinder. Damit bieten die sächsischen Kitas den unter Dreijährigen die bundesweit ungünstigsten und den Kindern ab drei Jahren die bundesweit zweitungünstigsten Betreuungsverhältnisse.

  • Andere Länder (wie Sachsen-Anhalt) haben ihre Betreuungsschlüssel deutlich verbessert.
  • Den Kommunen, die den Bereich Kita finanzieren müssen, fehlt es an Geld. Sachsen spart hier an der falschen Stelle!
  • Es fehlt an frühpädagogischen Fachkräften, mit dem Kita-Ausbau zunehmend. Woher sollen die in Zukunft kommen? Der Beruf ist nach wie vor zu unattraktiv! Erzieherinnen in den Leipziger Kitas sind wütend, weil die miserable Personalausstattung zu ungeregelten Pausenzeiten, Überlastungen und zu wachsender Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen führt.

„In kaum einem Bundesland ist derzeit klar geregelt, wie viel Arbeitszeit für Aufgaben neben der eigentlichen pädagogischen Arbeit mit den Kindern reserviert ist. Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung machen in der Praxis mindestens ein Viertel der Aufgaben einer Erzieherin aus. Während Vollzeitkräfte hierfür in der Regel ausreichend Zeit einplanen können, geraten die Teilzeitkräfte unter Druck. Immerhin 41 Prozent des Kita-Personals arbeitet weniger als 32 Stunden wöchentlich. Deren Arbeitszeit wird in den Kitas häufig komplett für die eigentliche Kinderbetreuung eingeplant, trotzdem warten die anderen Aufgaben auf Erledigung.“

All die Klagen der Eltern und der pädagogischen Fachkräfte, das Diskutieren, die Petitionen, Demonstrationen und die Hoffnungen auf den neuen Koalitionsvertrag führten letztendlich nur zu minimalen Verbesserungen am Betreuungsschlüssel. Vielleicht musste erst wieder eine Vergleichsstudie erscheinen – PISA-analog – und Sachsen offiziell bescheinigen, dass „wir“ durch diese Spar-Politik auf dem letzten Platz aller Bundesländer in Sachen Betreuungsqualität landen, damit der Wettbewerbsgeist der Entscheider in ausreichendem Maße angestachelt wird, um tatsächlich etwas zu verändern? Die Eltern und Arbeiter_innen können ruhig heulen und klagen, damit kommt das Land zurecht. Aber Letzter im Bundesvergleich sein? Das will man sich dann vielleicht doch nicht gefallen lassen. Traurig ist bzw. wäre das für alle Engagierten hinsichtlich des Sinns von Partizipation. Aber wenn das dazu führt, dass sich endlich etwas Entscheidendes bewegt in der sächsischen Betreuungslandschaft, dann wäre wenigstens etwas gewonnen.

(Quelle der Studiendaten: http://www.l-iz.de/bildung/leipzig-bildet/2015/08/das-saechsische-zoegern-faellt-bei-der-kita-erziehung-bundesweit-auf-103954)

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Eine Antwort zu “Und der letzte Platz in der Kategorie „Betreuungsqualität“ geht an: Sachsen!

  1. Wir wollen den Betreuungsschlüssel in Leipzig verbessern zund brauchen noch Unterschriften! Bitte unterstützt uns!

    https://www.openpetition.de/petition/online/fruehkindliche-erziehung-und-betreuung-optimale-arbeitsbedingungen-fuer-eine-professionelle-umsetzun

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