Archiv der Kategorie: Dialog mit den Verantwortlichen

Stadt bestätigt: 4500 statt 2000 Plätze fehlen, keine Entspannung 2015!

Wir haben nun die Betreuungszahlen für 2014 von der Stadt bekommen und unsere Vermutungen, dass sehr viel mehr Plätze als die 2000 fehlen, die im Oktober von der Landesregierung angegeben wurden, hat sich bestätigt:

2014 wurde 23.591 Kinder in Leipzig betreut, davon 5312 in der Krippe, 15.654 in der Kita, 2625 in der Tagespflege. Geschätzt hat die Stadt, dass 2014 6646 Plätze in der Krippe, 18.544 Plätze in der Kita, 2908 in der Tagespflege gebraucht werden.

Das ist eine Diskrepanz von 4507 Plätzen!

Wenn wir nun noch dazu rechnen, dass der Bedarf im U3-Bereich mit 55% zu niedrig angesetzt ist, dann sind es sogar noch einige Betreuungsplätze mehr, die in Leipzig tatsächlich fehlen.

Dazu bekamen wir die Info: „Bis Ende 2015 werden nach gegenwärtigem Kenntnisstand in 14 Neubau- und 7 Erweiterungsmaßnahmen 2.426 Plätze für Kinder bis Schuleintritt, davon 698 Krippenplätze entstehen.“, denn „8  [der für 2015 geplanten] Maßnahmen (4 Neubauten, 4 Erweiterungen) mit 799 Plätzen, davon 240 für Krippenkinder (…), bei denen gegenwärtig jedoch Verzögerungen im Ablauf eingetreten sind“, werden wohl nicht Jahr 2015 zu realisieren sein.

Das heißt, dass Ende 2015 nach wie vor mindestens 2000 fehlen werden, falls diese 2400 Plätze bis dahin wirklich realisiert werden können . Und der Bedarf steigt ja stetig weiter, ebenso wie der Zuzug. Es kann also nicht davon die Rede sein, dass sich die Lage im Herbst 2015 entspannen wird.

Der 2. Runde Tisch Kinderbetreuung

Kita-Ausbau

Nach Aussage des Jugendamtsleiters Tsappos wurden bzw. werden im Jahr 2014 ca. 1400 zusätzliche Kita-Plätze geschaffen. 300 weitere könnten eventuell noch bis Ende des Jahres realisiert werden. 2015 geht es weiter: 1400 Plätze können – nach derzeitigem Stand – wohl sicher realisiert werden, insgesamt werden 2000 angepeilt. Verzögerungen sind aber bei 600 Plätzen noch nicht absehbar. Insgesamt sollen 48 Kita-Bauprojekte – zwischen 2800 und 4000 Kitaplätze – in 2014 und 2015 realisiert werden.

Kurzfristig zusätzliche Plätze / Dringender Kitaplatz-Bedarf / Nur noch per Anwalt zum Platz?

In den letzten 3 Monaten wurden 400-500 Kita-Plätze zusätzlich geschaffen, indem in vielen Kitas in der gesamten Stadt „kurzfristige Überbelegungen“ (um etwa 5% pro Kita, das entspricht 2-3 Plätzen pro Kita) beim Landesjugendamt beantragt und für 162 Plätze in kommunalen und zwischen 250 und 300 bei freien Trägern genehmigt worden sind.

Diese zusätzlichen Plätze wurden auch als Erklärung herangezogen für das „Phänomen“, dass das Jugendamt an Tag 1 behauptet, keine Kita-Plätze anbieten zu können und 4 Tage später (nach dem Anwaltsschreiben, verwaltungsgerichtlichem Verfahren) plötzlich doch Kitaplätze zur Verfügung gestellt werden.

(Es wird gemunkelt, dass die Stadt Urteile vermeiden möchte, auf die sich andere Eltern beziehen könnten. Bisher ist – unserem Wissen nach – kein Fall, in dem Eltern versucht haben, per Anwalt das Recht auf Frühförderung durchzusetzen, tatsächlich vor dem Verwaltungsgericht gelandet. Die Stadt hat noch immer einen Platz „aus dem Ärmel geschüttelt“, sobald Anwälte die Kommunikation für die Familien übernommen haben. Das kann einerseits positiv gesehen werden, weil die Eltern letztendlich ja so zu Kitaplätzen kommen und das Amt sich offenbar um eine außergerichtliche Einigung bemüht. Andererseits hat dieses Vorgehen einen seltsamen Beigeschmack, müssen doch Familien so min. 500 Euro für die Anwaltskosten zahlen, um einen Platz zu bekommen. Vor den Anwaltskosten und dem Gang zum Anwalt allgemein schrecken verständlicherweise viele Familien zurück. Im Moment ist es aber fast unmöglich, ohne Anwalt an einen Kitaplatz in Leipzig zu kommen. (Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es für Eltern mit wenig Geld möglich ist, beim Amtsgericht Beratungskosten zu beantragen und auch für den Prozess Prozesskostenhilfe zu erhalten, sodass die Kosten lediglich 15 Euro für Beratung und Prozess betragen!)

Mit den kurzfristig zusätzlich geschaffenen Plätzen wurden die dringlichsten Bedarfe bearbeitet. Höchste Priorität haben dabei Familien, die (quasi) morgen einen Platz brauchen. Je näher also der notwendige Betreuungsbeginn rückt, desto dringender wird der Bedarf auch eingeschätzt. Anders formuliert: Wer noch 2-3 Monate Zeit hat, bis die Betreuung beginnen muss, gilt nicht als „platzbedürftig“. Eine Alleinerziehende mit 5 Kindern hätte außerdem Vorrang gegenüber einem Paar, bei dem beide Eltern gut verdienen.

Probleme im Bereich der Tagespflege

Es fehlt allgemein zunehmend an Tagesmüttern / -vätern. Nicht alle Tagespflegezertifikate, die die Stadt eingeplant hat, können überhaupt vergeben werden. Zudem steigen viele Tagesmütter / -väter aus dem Beruf aus. Gründe lägen u.a. in der schwierigen Elternarbeit, der Bezahlung vs. hoher Belastung, dem fehlenden oder zu teuren Räumlichkeiten, der hohen Gewerbesteuer und darin, dass viele Tagespflegekräfte den Beruf prinzipiell nur für einige Zeit geplant haben, etwa während sie selbst kleine Kinder haben. Zudem haben Träger keine großen Ambitionen, vermehrt Träger für die Tagespflege zu sein, da es auch für sie Schwierigkeiten mit sich bring, etwa im Bereich der Haftungspflicht. Im Bereich der Tagespflege hätten die Fälle von Kindeswohlgefährdung zugenommen.

(Das ist natürlich ein untragbarer Zustand und legt einmal mehr nahe, dass die viel zu kurze Qualifizierung der Tagesmütter / – väter sowie die alleinige Verantwortung (durch das Zusammenschlussverbot) zu erheblichen Problemen führen kann. Außerdem verweist der hohe Anteil an AussteigerInnen auf die schlechten Arbeitsbedingungen (Bezahlung!) angesichts der Anforderungen!)

Übergang Tagespflege-Kita

Die meisten Eltern wollten wissen, was bezüglich des schwierigen Übergangs von der Tagespflege zur Kita unternommen werden würde. Wir haben die Frage weitergereicht.

Der Übergang von der Tagespflege zur Kita ist nach wie vor ein großes Problem. Sobald die Kinder 3 Jahre alt sind, ist der Wechsel in den Kindergarten vorgesehen. Der Übergang ist deshalb schwierig, weil es allgemein zu wenig Kitaplätze gibt. Die erste Gegenmaßnahme: Platz-Ausbau.Die Vermutung (Hoffnung): Wenn genügend Kitaplätze vorhanden sind, gibt es auch keine Probleme für Kinder, die vor dem 3. Lebensjahr von Tagesmüttern / -vätern betreut wurden, in den Kindergarten zu wechseln.

Die Eltern sollten sich an die Träger der Tagespflege wenden, diese könnten unter Umständen Kitaplätze anbieten und werden auch vom Jugendamt dazu angehalten. Allerdings bieten die Träger Plätze meist nur zum Schuljahreswechsel und häufig nicht im gewünschten Stadtgebiet / der gewünschten Kita. Eltern müssten sich unabhängig davon bei Kitas bewerben. Falls einige Wochen / Monate zwischen dem 3. Geburtstag und dem Betreuungsbeginn in der Kita liegen, könnten die Eltern versuchen, mit Tagesmutter / -vater zu sprechen, inwiefern eine Weiterbetreuung über den 3. Geburtstag hinaus bis zum Wechsel in den Kindergarten möglich wäre. Die Tagespflegekräfte sind allerdings nicht verpflichtet, die Kinder auch über den 3. Geburtstag hinaus zu betreuen.

(In diesem Fall können die Eltern nur versuchen, Gespräche mit Jugendamt, Tagespflege-Träger, Kita und Tagespflegekraft zu führen. Eventuell ist es auch sinnvoll, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, um zu  einer Lösung zu kommen. Wenn wir euch dabei helfen können, kontaktiert uns!)

Verbesserungen am Kita-Portal

Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Kitaplätze eigentlich tatsächlich fehlen – also wie viele Eltern einen Kitaplatz wollen/brauchen, aber keinen bekommen. Das liege u.a. daran, dass Eltern sich nicht beim Jugendamt melden, um mitzuteilen, dass sie keinen Bedarf mehr haben, wenn sie einen Platz gefunden haben. Insofern gebe es viele „Karteileichen“ im System des Jugendamts. Das Kita-Portal soll nun technisch so umgebaut werden, dass dieses Problem behoben wird. Wie? Mit dem Eltern-Account. Das heißt: Familien können sich auf meinkitaplatz-leipzig.de registrieren und ihren Bedarf angeben. Es soll über den Account einfach erfasst werden, wer Bedarf gemeldet hat und ob dieser Bedarf noch besteht oder nicht. Daran wird aktuell gearbeitet, das hat aktuell aus verwalterischer Sicht auch Priorität. Andere Verbesserungen sind somit weiter auf die lange Bank geschoben. Erste Arbeitsergebnisse der zuständigen Software-Firma werden zum September erwartet.

So war der 1. Runde Tisch „Kinderbetreuung“

Am 31.03. fand der erste Runde Tisch „Kinderbetreuung“ statt, an dem wir teilgenommen haben. Außerdem an der Gesprächsrunde beteiligt waren: Vertreterinnen der großen Parteien – außer CDU -, Jugendamtsleiter Tsapos und Mitarbeiterinnen des Jugendamts, eine Vertreterin des Gesamtelternrats und Vertreterinnen der freien Träger.

Herr Tsapos stellt äußerte sich anfänglich über den Stand des Kita-Ausbaus (online hier einsehbar), dem weiteren Vorgehen bezüglich des Kita-Ausbaus und zu den aktuell verfügbaren Plätzen. Anschließend wurden in offener runde verschiedene Themen diskutiert. Mit insgesamt zwei Stunden war die Zeit knapp bemessen. Der runde Tisch soll nun vierteljährlich zusammenkommen und ist von Jugendamtsleitern Tsapos als Raum zum „miteinander statt (wie bisher) übereinander reden“ gedacht.

AKUT FREIE PLÄTZE?

Die bereits aus der Presse bekannten Zahlen wurden wiederholt: Derzeit wären 143 Plätze im Krippen- und 234 Plätze im Kindergartenbereich „im Portal nicht mit Verträgen hinterlegt“. Außerdem gäbe es über 300 Plätze in der Tagespflege, die direkt besetzt werden könnten (fragwürdig!)

Auf Nachfrage ergab sich dann folgendes Bild: De facto sind die Plätze aktuell nicht frei verfügbar. Gründe: Die theoretischen 2% Reserveplätze der Kitas sind fast immer schon besetzt sind (also nicht frei) und mit den Einrichtungen, die erst kürzlich den Betrieb aufgenommen haben und die nun schnell mehr Kinder als für den Anfang geplant aufnehmen sollen, muss erst verhandelt, im Zweifelsfall Personal eingestellt und abgesprochen werden, inwiefern eine zusätzliche Aufnahme von Kindern überhaupt möglich ist. Die Zahl der Tagespflegeplätze scheint außerdem recht wenig auszusagen.

Die Zahlen entsprechen außerdem dem Stand vom 12.03.2014, seitdem hätte sich – so das Jugendamt – auch schon wieder was geändert. Freie Plätze würden schließlich direkt besetzt. Eine festgelegte Zahl an freien oder auch fehlenden Plätzen könne man so gar nicht nennen, denn das würde sich ja ständig ändern. Insofern gibt das Jugendamt auch niemals die Information heraus, dass es bis xy keine Plätze gibt o.ä.

KURZFRISTIG SOLLEN ZUSÄTZLICHE PLÄTZE GESCHAFFEN WERDEN:

Um dem „temporären“ Platzmangel entgegenzuwirken sollen nun alle Einrichtungen – kommunale wie die freier Träger – schnell prüfen, inwiefern sie als Übergangslösung zusätzlich Kinder aufnehmen können. Die Anträge beim Landesjugendamt, – das muss die kurzfristige Aufnahme von mehr Kindern als im Normalbetrieb zulässig zusätzliche  genehmigen – laufen. Das Amt entscheidet für jede Einrichtung einzeln, inwiefern eine befristete Überbelegung möglich ist. „Überbelegungen“ sollen etwa durch Umnutzung von Gemeinschafts- zu Gruppenräumen oder günstige, kleinere Umbaumaßnahmen realisiert werden können. Der Leiter des Jugendamts sprach davon, dass eventuell im Mai schon erste Rückmeldungen seitens Landesjugendamt kommen könnten. Dann muss allerdings teilweise noch zusätzliches Personal eingestellt, gebaut  werden o.ä. Diese kurzfristige Überbelegung soll nur als Zwischenlösung gelten, bis maximal September. Dann soll der Bedarf durch die vorhandenen Kitas gedeckt werden.

AUSBAU 2014:

Bei 17 Einrichtungen hat der Bau begonnen, diese sollen tatsächlich auch 2014 noch fertig werden. 5 weitere Einrichtungen können höchstwahrscheinlich noch 2014 fertig gestellt zu werden. Das wären theoretisch 1900 bis 2500 zusätzliche Plätze noch in diesem Jahr. Falls es nicht – wie fast immer, muss man leider sagen – verwaltungsbedingt zu massiven Verzögerungen kommt. Und falls rechtzeitig ausreichend Personal zur Verfügung steht. Das sei allerdings kein Problem, es gäbe ausreichend BewerberInnen.

Im September 2015 soll dann der Mangel behoben und der Bedarf komplett gedeckt sein.

UNTERSTÜTZUNG VON ELTERNINITATIVEN / KLEIN-KITAS:

Auf unsere Frage hin, warum  die Unterstützung von Klein-Kitas / Elterninitiativen so dürftig wäre, wurde erwidert, dass Elterninitiativen allgemein willkommen wären. Man müsse Interessierte aber auch auf die zahlreichen (finanziellen) Risiken hinweisen. Viele Eltern stellten sich Gründung und Betreibung einer Kita zu einfach vor. Ferner gebe es in Leipzig ohnehin schon sehr viele verschiedene Träger und man sei bestrebt, die bestehende Trägerstruktur zu erhalten. 

Das Jugendamt gab an, bisher nur mit LeiKiLa e.V. konkrete Gespräche geführt und ansonsten nur vereinzelt Beratungsgespräche geführt habe.

BETREUUNG VOM MANGEL BETROFFENER FAMILIEN:

Das Jugendamt ist aktuell dabei, die 4 zusätzlichen Stellen einzurichten, die die vom Platzmangel betroffenen Eltern betreuen sollen. Die Eltern würden derzeit schon vom Jugendamt aus angerufen und zu ihrem Platzbedarf und zu ihrer Situation befragt. 

Wir werden uns mit der Abteilung Rathaus Wahren /Kindertagesstätten zusammensetzen und erklären, welche Form der Betreuung und Unterstützung sich betroffene Eltern wünschen.

Schickt uns doch bitte noch einmal eure Erfahrungen mit der Abteilung Rathaus Wahren – negativ wie positiv! -, damit wir uns auf konkrete Beispiele beziehen können.

Keine Antwort von Jung zu offenen Kita-Fragen!

Jung versäumt auf unseren Offenen Brief vom 22.01.13 zu antworten

Am Dienstag richteten wir uns mit einem Offenen Brief an den amtierenden Oberbürgermeister Burkhard Jung. Damit wollten wir ihm die Möglichkeit gegeben, sich noch vor der OBM-Wahl am Sonntag (MORGEN!) zu offenen Fragen und Widersprüchen bezüglich der Kita-Bedarfsplanung zu äußern. Die Frist (25.01.) ließ Jung verstreichen. Unkommentiert.

„Unser Offener Brief an den OBM Jung sollte für Klarheit im Dschungel der Wahlversprechen sorgen, damit Eltern eine Wahlentscheidung auf Grund realistischer Planungen treffen können.“ sagt Victoria Jankowicz von der Kita-Initiative. Christin Melcher ergänzt: „Das lässt tief blicken, wenn ein OBM seinen engagierten Bürgern und Bürgerinnen selbst kurz vor der Wahl keine Antworten gibt. Nichts als Wahlversprechen! Ehrlichkeit und Transparenz ist etwas Anderes!“

In der Vergangenheit mussten Leipziger Eltern immer wieder erleben, wie Kita-Planungen nicht umgesetzt wurden. Als Reaktion auf den Offenen Brief erreichten uns weitere Meldungen die belegen, dass Bauvorhaben, die in der Bedarfsplanung vorgesehen sind, nicht umsetzbar sind. „Wie vertrauenswürdig ist ein Oberbürgermeister, der damit prahlt wie viel er für den Kita-Ausbau getan hat und wie viel er noch tun wird, aber dann auf konkrete Nachfragen keine Antworten liefert? Nichts als Luftschlösser!“ Christin Melcher abschließend: „Es ist ein Hohn für alle Eltern, wenn Burkhard Jung im Internet schöne Fotos von seinem Dienstzimmer veröffentlicht, statt seine Wahlkampfversprechen mit Fakten zu untermauern. Bürgernähe, Soziales Engagement und Kinderfreundlichkeit gibt es bei Jung offensichtlich nur auf Wahlplakaten.“

Offener Brief an OBM Burkhard Jung

Sehr geehrter Oberbürgermeister Jung,

momentan befinden Sie sich im Wahlkampf, Sie möchten als Oberbürgermeister wieder gewählt werden und versprechen viele ambitionierte Ziele. In Ihrem Wahlprogramm können wir Ihre Erfolge und Ziele lesen: In den letzten 6 Jahren haben Sie als Oberbürgermeister 25 neue Kitas, 13 Erweiterungen und 14 Ersatzbauten und damit 5400 neue Kinderbetreuungsplätze geschaffen. Allein im Jahre 2013 wollen Sie nun 24 Kitas (12 Neubauten, 11 Erweiterungsbauten, 1 Ersatzbau) bauen, dies und die Aufstockung der Tagespflege soll zur Schaffung von 2488 Plätze führen. Sie wollen in einem Jahr die Hälfte von dem schaffen, was Sie in 6 Jahren geschaffen haben. Wir begrüßen die Ziele ausdrücklich, wundern uns allerdings über die ambitionierten Pläne gerade im Wahlkampfjahr. Außerdem lassen nicht nur die Zahlen, sondern auch unsere Erfahrungen den Schluss zu, dass Sie in den vergangenen Jahren beim Kita-Ausbau viel versäumt haben.

Wir möchten Ihnen mit einem Beispiel unserer Sorgen verdeutlichen. Die Stadt Leipzig plant eine Kita in der Schulze-Delitzsch-Straße mit 163 Plätzen. Im Protokoll des Stadtrates vom 16. Mai 2012. steht: „Zum Standort Schulze-Delitzsch-Straße laufe derzeit das Baugenehmigungsverfahren. Die Inbetriebnahme sei für März 2013 vorgesehen.“ (Fabian). In der Bedarfsplanung der Stadt (Stand 23.11.12.) soll die Inbetriebnahme für den 01.09.13. erfolgen. Eine Verzögerung von 6 Monaten. Aber noch nicht genug, schaut man sich das Gelände einmal an, erkennt man nichts von einer zukünftigen Kita. 163 Plätze die vermutlich nicht ab 01.09.2013 zur Verfügung stehen werden. Liegen wir da falsch? Es lassen sich sicher noch viele weitere Beispiele finden.

Zehn der von Ihnen geplanten Einrichtungen sollen in Modulbauweise errichtet werden. Wie schnell ist eine Inbetriebnahme dieser Einrichtungen möglich? In Anbetracht der Tatsache, dass viele Kommunen versuchen werden, den Rechtsanspruch ab 01.08.2013 zu erfüllen, werden die Händler der Kitas in Modulbauweise Lieferungsschwierigkeiten haben. Haben Sie dies in ihrer Planung berücksichtigt?

Ferner versprechen Sie den Rechtsanspruch ab 01. August 2013 zu erfüllen, aber nur ein Drittel der von Ihnen aufgeführten Bauvorhaben wird selbst bei wohlwollender Lesart bis dahin in Betrieb gehen. Bei den meisten Bauvorhaben ist die Fertigstellung für das 4.Quartal 2013 geplant, davon sogar die Meisten erst im Dezember 2013. Zu dem machen wir uns große Sorgen, dass einige Bauvorhaben gar nicht realisiert werden. Dies konnten wir in der Vergangenheit zu häufig beobachten, in den Plänen tauchten Kitas auf, die nie weiterverfolgt wurden, beispielsweise: Karl-Liebknecht-Straße 30-32, Puschstraße 9, usw., daher unsere Frage: Wie realistisch sind ihre Pläne?

Ein Großteil der geplanten Einrichtungen werden nicht von der Stadt gebaut, welche Maßnahmen zur Unterstützung und Umsetzung hat die Stadt ergriffen um die Freien Träger beim Bau und Fertigstellung der Einrichtungen zu begleiten?

Aus den Protokollen der Stadtratssitzungen konnten wir entnehmen: „Vor diesem Hintergrund seien die Anstrengungen besonders darauf gerichtet, kurz- bis mittelfristig zusätzliche Plätze bereitzustellen, um den Nachfrageüberhang zu kompensieren. Dies geschehe zum Beispiel durch Anpassung der bedarfsplanerisch ausgewiesenen Kapazitäten im Rahmen der Betriebserlaubnis und der baulichen Voraussetzungen der jeweiligen Einrichtungen und der damit verbundenen kurzzeitigen Erhöhung der Platzzahlen sowie durch kurzfristige Anmietungen von zusätzlichen Raumressourcen.“ (Fabian, 16.05.12) und „Die Begrenzung der Platzzahl für Kindertagespflege bei den Trägern sei aufgehoben worden. Anträge auf Erweiterung der Zahl der Plätze in der

Kindertagespflege würden genehmigt.“ (Fabian, 20.06.12) – Wir befürchten daher Qualitätseinbußen in der Betreuung unserer Kinder. Wie wollen Sie trotz des großen Bedarfes die Qualität in den Einrichtungen sicher stellen?

Allein der Bau von Kitas löst das Problem noch nicht. Wir sehen uns konfrontiert mit einem Erzieher/innen-Mangel. Bei 2.488 Betreuungsplätzen und einem Betreuungsschlüssel von 1:13 (im Krippenbereich 1:6) brauchen wir 190 neue Erzieher/ innen. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um den Erzieher/innen-Mangel entgegenzuwirken? Zeichnen sich Qualitätseinbußen ab?

Wir möchten Sie um die Beantwortung der Fragen bis Freitag, den 25.01. bitten, um allen Eltern eine Wahlentscheidung auf realistischen Boden zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Leipziger Kita-Initiative

Rede & Antwort (2)

Anfang Dezember haben wir über l-iz.de den OBM-Kandidaten wichtige Fragen zum Thema ‚Die Zukunft der Kinderbetreuung in Leizpig‘ gestellt. Die Antworten liegen nun vor. (Anordnung alphabetisch)

Felix Ekhardt (OBM-Kandidat Bündnis 90/Die Grünen)

Dirk Feiertag (unabhängiger OBM-Kandidat, Unterstützung durch Piraten, Neues Forum und Wählervereinigung)

René Hobusch (OBM-Kandidat FDP)

Barbara Höll (OBM-Kandidatin die Linke)

Burkhard Jung (aktueller OBM)

Horst Wawzrzynski (OBM-Kandidat CDU)

An dieser Stelle auch noch einmal die Aufforderung an alle LeipzgerInnen: Am 27. Januar ist OBM-Wahl! Bitte geht hin! Ihr tragt damit Verantwortung für die weiteren Entwicklungen eurer Stadt!

Rede & Antwort (1): DLKI fragt die OBM-Kandidaten

Am 27. Januar 2013 ist OBM-Wahl in Leipzig. Die Leipziger Internet Zeitung bietet die Möglichkeit für alle, den OBM-Kandidaten direkt Fragen zu stellen.

Die Chance lassen wir nicht ungenutzt und fragen alle Kandidaten, was ihre Ansichten und Pläne zum Thema ‚Kinderbetreuung in Leipzig‘ sind:

1. Was würden Sie gegen den Mangel an Kinderbetreuungsplätzen – vor allem in kinderreichen Vierteln – tun? Welche Maßnahmen halten Sie für realistisch?

2. Wie wollen Sie das problematische Thema ‚Kita-Platzvergabe‘ angehen?

3. Wie stehen Sie zur Entlohnung von Betreuungspersonal (Erzieherinnen in Kitas UND Tageseltern)?

4. Welche Absprachen, Regelungen und Änderungen würden Sie hinsichtlich der Tagespflege veranlassen?

Auf die Antworten sind wir sehr gespannt!