Archiv der Kategorie: Kita-Initiative-Infos

So lief unsere Kita-Demo

Etwa 200 kleine und große Menschen waren an diesem Mittwochnachmittag – trotz Juni-Hitze – anwesend. Danke dafür! Auch die Presse war zahlreich vertreten – dpa, MDR, Leipzig Fernsehen, zdf, LVZ, Tag24, Bild, verschiedene Radios…

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Mit einiger Verspätung gab es zunächst ein wenig Musik von Akeli zur Einstimmung und Kinderschminken mit Kawi Kids​ – riesen Dank für den Support! Anschließend hat Britta aus unserem Demo-Orga-Team unsere Forderungen vorgetragen.

Sozial-Bürgermeister Dr. Thomas Fabian konnten wir diese kurz darauf gerahmt überreichten – zum an die Wand hängen. Dazu gab es von uns eine goldene Windmühle (zur Motivation – „Zeit, dass sich was dreht!“)… und einen 💩-Luftballon (als Mahnung und Frust-Ausdruck).

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Fabian erklärte den Familien dann, wie viele Plätze geschaffen wurden und werden. Wir hakten nach: Was ist mit den betroffenen Familien, die JETZT vom Mangel betroffen sind? Was ist besserer Transparenz und Kommunikation? Besserer Vergabe? Der Förderung von Klein-Kitas und Elterninitiativen in Leipzig?

Zur Kommunikation erklärte Fabian, dass der runde Tisch Kita wieder reaktiviert würde und vom Mangel betroffene Eltern dort auch einbezogen werden. Außerdem werde das Kita-Portal verbessert, auch hier würden die Erfahrungen und Hinweise betroffener Eltern einbezogen.

Zur Förderung von Klein-Kitas und Elterninitiativen erklärte Fabian, dass diese ihm und auch Oberbürgermeister Jung „am Herzen“ lägen. Auf wiederholte Nachfrage unsererseits meinte er, Initiativen sollten sich bei ihm melden. Unserer Meinung nach eine ziemliche Ausflucht – aber wir werden es auf Anfrage so weitergeben und testen. Bis dato werden kleine Initiativen von der Stadt ausgebremst – unerwünscht, zu teuer, zu wenig.

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Vertreterinnen der Stadtratsfraktionen (Linke, CDU, SPD, Grüne) haben schließlich mit Verspätung noch vor einigen verbliebenen Familien gesprochen und sich weitgehend hinter unsere Forderungen gestellt. Die Linke wird wohl der Frage nachgehen, wie Städte, in denen Klein-Kitas und Kinderläden bestehen sind, diese finanzieren. Die SPD-Fraktion hat angekündigt, das Gespräch mit der Kita-Initiative zu suchen. Und mit Michael Schmidt von den Grünen, der auch im Petitionsausschuss sitzt, werden wir darüber sprechen, wie und welche unserer Forderungen wir als Petition bei der Stadt wann sinnvoll einreichen.

FAZIT:

Alles in allem können wir zufrieden sein. Vom Kitaplatz-Mangel betroffene Eltern wurden gehört und werden zukünftig hoffentlich besser informiert und in relevante Entscheidungen einbezogen. Auch wenn es nicht 500 wartende Menschen wie in der Schlange der Johanniter-Kita waren, haben wir der anonymen Zahl „fehlender Plätze“ ein Gesicht geben können. Genau das war uns wichtig zu zeigen: Betroffenen sind Menschen; sind Leipziger Kinder und Eltern. Und denen hilft es nicht, wenn in 5 oder 10 oder 20 Jahren der Platzmangel nicht mehr besteht. Deshalb bleiben wir dabei: Es ist Zeit, dass sich in Sachen Kita ganzheitlich was dreht in Leipzig.

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Unsere Forderungen als Petition!

Die von uns erarbeiteten Forderung zur desolaten Kita-Situation haben wir nun auch als Online-Petition eingerichtet, die wir im Rahmen der Demonstration am 21.06. (ab 15:30) vor dem neuen Rathaus an Thomas Fabian übergeben wollen:

Openpetition.de/!kitaplatzmangel

Bitte fleißig unterzeichnen und teilen!

Wer Flyer für die Demo verteilen kann, der möge sich kurz via Facebook oder E-Mail bei uns melden.

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AG ‚Kita-Betreuungsschlüssel Sachsen‘ – Rückblick 12.04. und Ausblick

Liebe Kita-Interessierte,

wir wollen kurz auf das 1. Treffen der neu gegründeten ‚AG Kita-Betreuungsschlüssel Sachsen‘ vom 12.04.2017 sowohl zurück- als auch in die Zukunft schauen.

Zunächst einmal: Wow – was war das für ein Abend! So viele interessierte und engagierte Menschen, die aktiv etwas an der Kita-Situation verbessern möchten! Wir sind begeistert und beeindruckt. Einen Eindruck könnt Ihr Euch im Beitrag von Leipzig Fernsehen verschaffen.

Am Mittwoch vor 2 Wochen luden wir als Leipziger Kita-Initiative in die Kita „Kleine Füchse“ ein, um über eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Sachsen und klar geregelte Vor- und Nachbereitungszeiten für Fachkräfte zu sprechen. Ziele des Abends waren, in einen gemeinsamen Austausch zu treten und erste Ideen der Vernetzung und Zusammenarbeit zu finden. Diese Ziele haben wir ganz klar erreicht! Ein großer Dank an alle, die dabei sein konnten.

Es gab eine breite Zustimmung zu unseren Forderungen. (Informationen dazu findet ihr auch hier.) Ebenso äußerten viele ihre Empörung über die schlechten Rahmenbedingungen in den Kitas. Auch gab es erste gute Ideen, unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen. Die wichtigste Erkenntnis des Abends: Nur wenn wir uns zusammentun (mit Dresden, Chemnitz und den ländlichen Regionen in Sachsen, etwa mit Initiativen wie http://die-bessere-kita.de) und eine wirklich BREITE Basis schaffen, werden wir etwas bewegen! Deshalb streben wir vor allem VERNETZUNG an.

Gemeinsam haben wir das 2. großen Treffen der ‚AG Kita-Betreuungsschlüssel Sachsen‘ am Dienstag, den 20.6.17 um 19 Uhr vereinbart, um die nächsten Schritte anzugehen. Der erste dieser Schritte lautet: Jeder bringt zum 2. Termin noch eine Person mit! Dies ist auch eine herzliche Einladung an alle, die beim ersten Mal nicht dabei sein konnten – kommt diesmal einfach zu zweit!

Wir suchen außerdem Unterstützer_innen und Gestalter_innen, die sich aktiv für Veränderungen einsetzen wollen. So müssen wir u.a. Aktionen für den 20.09.2017 planen und benötigen hierbei mehr Hände und Köpfe als uns 5 Kern-Aktive, die wir gerade sind. Meldet euch (via Mail oder Facebook), wenn ihr Euch aktiv einbringen möchtet. Es stehen bereits Termine für die Aktions-Planungstreffen fest. Meldet Euch auch gern, wenn ihr Ideen habt oder Teil des inneren Kerns der Kita-Initiative werden wollt.

Schickt diese E-Mail gern an Interessierte weiter und helft so beim Vernetzen und breite Masse erzeugen, damit sich endlich etwas ändert.

Für alle, die genau wissen möchten, was zum 1. Treffen passiert ist, gibt es außerdem das Protokoll des 1. Treffens sowie die von uns erstellte Powerpoint-Präsentation zum Download.

Der steinige Weg zum Kitaplatz in Leipzig: Die richtigen Zeitpunkte für Anmeldung und Betreuungsbeginn

Liebe Eltern und Kita-Interessierte,

da sich im Moment bei uns die Anfragen häufen, wollen wir mit euch unser Wissen bezüglich des Kita-Jahres teilen. Bis wann sollte man sich in den Einrichtungen bewerben? Wann werden die Plätze vergeben und frei? Und warum ist es so schwer, im späten Winter und Frühjahr, einen Betreuungsplatz zu bekommen? Außerdem wollen wir Probleme äußern, die nach wie vor im Kita-Bereich bestehen.

Bewerbung bis Dezember, Platzvergabe von Februar bis Mai

Kindertagesstätten in Leipzig nehmen nach unseren Kenntnissen i.d.R neue Kinder häufig im Zeitraum Juni bis Januar auf, wobei der Kernzeitraum August bis November ist. Hintergrund ist der, dass jedes Jahr im August/September normalerweise ein Schwung Kinder die Einrichtung verlässt, da sie in die Schule wechseln. So werden zu diesem Zeitpunkt auf einen Schlag einige Plätze frei. Mal mehrere, mal weniger davon werden direkt mit Geschwisterkindern besetzt, der Rest kann dann nach außen vergeben werden. Oft sind das aber pro Einrichtung nur 3-5 Plätze und die Bewerbungen auf diese wenigen sehr viel mehr. Das ist das Dilemma der Kita-Leiter*innen. Gerade in beliebten familienreichen Vierteln ist die Überanfrage ein großes Problem, insbesondere im Krippenbereich, also bei Kindern unter 3 Jahren. Die Vergabe legen die Leiter*innen unseren Informationen zufolge meist in den Zeitraum Februar bis Mai eines Jahres. Sprich: Eure Bewerbung sollte also bis Dezember des Jahres, bevor das Kind einen Platz braucht, indem die Betreuung starten soll, in der Kita sein.

Probleme für Winter- und Frühlingskinder

Das führt zu einigen, seit langem bekannten Problemen. So haben Familien, die einen Betreuungsbeginn für Zeiträume außerhalb der Kernzeit August bis November liegen, etwa weil das Kind dann 1, 2 oder 3 Jahre alt wird, sehr häufig Probleme, einen Platz zum benötigten Zeitraum zu bekommen. Nicht wenige greifen ihre Arbeitstätigkeit deshalb später auf als eigentlich geplant. Drei Leipziger Familien haben deshalb ihre Lohnausfälle bei der Stadt eingeklagt.

Keine nahtlose Kinderbetreuung bei Umzug nach Leipzig

Auch für Zuzügler*innen stellt diese Praxis ein Problem dar. Wer spontan, beispielsweise aufgrund einer neuen Arbeitsstelle nach Leipzig zieht, vor allem in den Monaten Februar bis Mai/Juni, hat kaum Chancen, nahtlos einen Betreuungsplatz zu finden. Ein kleiner Lichtblick sind Einrichtungen, die gerade neu eröffnen. Informationen hierzu findet ihr auf der Seite der Stadt Leipzig: http://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/kinderbetreuung/kindertagesstaetten/kitaneubauten/. Wichtige Informationen für Zuzügler*innen außerdem: Um auf dem Leipziger Kita-Portal www.meinkitaplatz-leipzig.de, bei der Stadt offiziell seinen Betreuungswunsch mit gewünschtem Starttermin und Einrichtung angeben und einen Betreuungsvertrag unterschreiben zu können, benötigt es in Leipzig eine Referenznummer vom Jugendamt. Auf der Seite findet ihr ganz unten rechts einen Download-Bereich. Dort könnt ihr den so genannten „Ticketantrag“ herunterladen, ausfüllen und mit Kopie der Geburtsurkunde und Personalausweis per Post oder Mail an die angegebene Adresse senden.  Dann bekommt ihr eine Referenznummer zugesendet.

EDIT: Eine Leipziger Mutter hat uns bzgl. der von uns angenommenen „Sperre“ darauf hingewiesen, dass man im Kita-Portal die Anschlussbetreuung im Account für das jeweilige Kind aktivieren und dann normal bis zu 5 Wunschkitas angeben kann – nur die Kitas, von denen man bereits eine Absage bekommen hat, sind nach wie vor gesperrt. Die Familie suche eine Anschlussbetreuung nach der Tagespflege ab Januar 2018 und habe den Anschlussbedarf für einen Kita-Platz bereits im November 2016 erfolgreich im Kitaportal über ihren Account aktiviert und auch schon mit ersten Kitas telefoniert. Diese hätten die Anmeldung über das Portal  auch bekommen und es wurde ein weiteres Telefonat im März ausgemacht, da dann die konkreten Planungen erfolgen. Die Mutter empfiehlt in jedem Fall eine persönliche Kontaktaufnahme nach der „offiziellen“ Anmeldung über das Portal.

Wir suchen für Januar 2018 einen Kitaplatz, bis dahin ist unser Sohn bei der Tagesmutti. Ich habe den Anschlussbedarf bereits im November 2016 erfolgreich im Kitaportal über unseren Account aktiviert und auch schon mit den ersten Kitas telefoniert. Die haben die Anmeldung über das Portal  auch bekommen und wir haben ein weiteres Telefonat im März ausgemacht, da dann die konkreten Planungen erfolgen. Eine evtl. frühere Aufnahme im Herbst müssen wir individuell absprechen, da sind die Kitas sehr unterschiedlich. Ich denke, eine persönliche Kontaktaufnahme nach der „offiziellen“ Anmeldung über das Portal ist weiterhin notwendig.

Problematischer Wechsel von der Tagespflege zur Kita 

Auch Kinder, die bis zum 3. Geburtstag bei Tageseltern betreut werden, haben nach wie vor Probleme, eine Anschlussbetreuung zu finden. Die Stadt verweist hier darauf, dass die Eltern den jeweiligen Träger der Tagespflege rechtzeitig ansprechen sollen, ob ein Kitaplatz in einer der Einrichtungen des Trägers für das Tagespflegekind vorgehalten werden kann. (Anmerkung: Tageseltern arbeiten in den allermeisten Fällen unter einem der großen Träger, die auch Kitas betreiben.) In der Praxis scheint dies häufig nicht zu funktionieren und die Eltern suchen doch wieder auf eigene Faust nach einem Ü3-Platz. Hierbei ergibt sich das Problem, dass durch den bestehenden Betreuungsvertrag mit der Tagespflege das Kind als versorgt gilt und die Referenznummer bis zum Tag des Vertragsendes blockiert ist. So kann diese Familie die Nummer weder nutzen, um im Kita-Portal Wunscheinrichtungen anzugeben, noch um einen Vertrag in einer Kita zu unterschreiben. Eine Lösung scheint es hierfür momentan nicht zu geben, sodass es in vielen Familien zu einer Betreuungsplatzlücke zwischen Tagespflege und Kita zu kommen scheint.

Keine Bearbeitung der Anfragen über das Kita-Portal

Mit dem Kita-Portal sind viele Eltern offenbar auch nach Einführung der Möglichkeit der Angabe von Wunscheinrichtungen unzufrieden, da die Kitas die Anfragen über das Portal wohl mehrheitlich nicht bearbeiten. Dieser Zustand ist natürlich äußerst unbefriedigend und Eltern sind immernoch gezwungen, alle Einrichtungen abzutelefonieren, überall einzeln das Anmeldeprozedere zu erfragen, sich in vielen Kitas zu bewerben und bis kurz vor dem 1. Arbeitstag zu bangen. Der Zustand ist nach wie vor für die Familien schwierig und es ist auch für uns nicht ersichtlich, inwiefern seitens der Stadt bzgl. der Platzvergabe noch an Verbesserungen gearbeitet wird. Grundsätzlich liegt das „Problem“ in Leipzig auch darin, dass der überwiegende Teil der Kindertagesstätten unter freien Trägern wie der Diakonie, dem Kinderschutzbund oder dem Fairbund e.V. läuft. Die Stadt selbst betreibt nur wenige Kitas und kann deshalb auch nur über eine begrenzte Anzahl Betreuungsplätze selbst verfügen. Auf die Plätze in den Kitas der freien Träger kann die Stadt nicht zugreifen, nicht über sie verfügen! Und sie kann die Träger nicht zwingen, das Portal zur Verwaltung und Vergabe zu nutzen. Die Träger wiederum wollen ihre Autonomie bei der Platzvergabe aus Planungsgründen gewahrt wissen. Häufig haben die Kita-Leiter*innen über die Jahre andere Taktiken und eingeschliffene Verfahren entwickelt, ihre wenigen Plätze zu vergeben und sehen das Portal offenbar eher als Belastung, denn als Bereicherung.

Zu wenig Plätze im Krippenbereich

Im Bereich der unter 3-Jährigen gibt es trotz aller Ausbaubemühungen noch immer nicht ausreichend Plätze.

Betreuungsschlüssel-Dilemma 

Der Betreuungsschlüssel in Sachsens Kitas ist nach wie vor einer der schlechtesten in Deutschland. Auch die marginalen Änderungen auf Landesebene haben hier nicht wirklich zur Entspannung beigetragen, wie die Initiative „Weil Kinder Zeit brauchen“ im Oktober berichtet hat. Wichtig zu verstehen ist, 1. dass die Festlegung und Verbesserung der Personalschlüssel in Sachsens Kitas auf Sachsenebene geschehen muss. Die Stadt kann diesen Aspekt also nicht einfach ohne Weiteres  ändern, da sie auf die Betriebskostenzuschüsse von Seiten des Landes angewiesen ist und diese wohl nur entsprechend des Mindestschlüssels gezahlt werden. 2. bedeutet der Betreuungsschlüssel von 1 zu 5 im Krippen- und 1 zu 12 im Ü3-Bereich nicht, dass eine pädagogische Fachkraft maximal 5 bzw. 12 Kinder betreut. Es handelt sich hierbei um eine Berechnung. I.d.R. sind in Sachsens Kitas eher Gruppengrößen von 15 bis 18 Kindern im Ü3-Bereich normal – und das entspricht auch dem Schlüssel. (Mehr Informationen dazu hier.)

Was tun?

Was kann und muss getan werden, damit sich diese Missstände ändern? Wir versuchen seit 2012, den Finger in Wunden zu legen und auf Probleme aufmerksam zu machen. Wir sind mit Stadt und Jugendamt in den Dialog getreten, haben demonstriert, teilen Informationen, klären auf und beraten. Aber uns fehlen die Mitstreiter*innen, sodass die politische Seite unserer Arbeit aktuell zu kurz kommt. Wer mit uns etwas verändern will und die oben genannten Missstände aktiv angehen möchte, der melde sich unter: leipziger.kitainitiative@gmail.com. Wir können im Dialog mit den Verantwortlichen durchaus etwas erreichen! Wir können Stadträte ansprechen und bitten, die Themen auf die Agenda zu setzen! Wir können erfragen, wie Arbeitsstände aussehen, ob die Missstände noch bearbeitet werden usw.

Auf Sachsenebene ist das schon schwieriger. Hier arbeiten wir zum Beispiel mit http://www.weil-kinder-zeit-brauchen.de zusammen und versuchen, Kräfte von Bürgerinitaitiven zu bündeln, um Veränderungen anzustoßen. Auch die GEW ist ein guter Partner.

Nichtsdestotrotz scheint es gerade ruhig zu werden, um das Thema Kita. Die Wahlkämpfe sind vorbei, minimale Veränderungen wurden getan. Der Ausbau in Leipzig läuft, das Kita-Portal wurde relauncht. Der Leiter des Jugendamts ist nun schon einige Jahre im Dienst, ebenso wie der Sozialbürgermeister. Alle scheinen sich etwas zur Ruhe gesetzt zu haben. Die oben stehenden Probleme zeigen, dass das der nach wie vor problematischen Realität nicht angemessen ist.

Rückblick 2014, Vorschau 2015/16

Wir haben einige Anfragen an das Amt für Jugend, Familie und Bildung gestellt und diese nun ausgewertet, um das Kita-Jahr 2014 Revue passieren zu lassen und einen Ausblick für Entwicklungen, Neuerungen usw. für 2015/16 geben zu können. In Leipzig leben aktuell 55.297 Kinder, davon 37.853 bis Schuleintritt, es gibt insgesamt 319 Kinderbetreuungseinrichtungen (inkl. Hort).

Bedarfsplanung 2014 vs. Realität

  • betreute Kinder 2014:

Im Jahresdurchschnitt wurden 2014 5.312 Krippenkinder, 15.654 Kindergartenkinder und 2.625 Kinder in der Tagespflege betreut. (= 23.591 betreute Kinder 2014 im Durchschnitt)

  • von der Stadt geschätzter Bedarf 2014:

Für das Jahr 2014 hat die Stadt Leipzig folgenden Bedarf ermittelt (=geplante Plätze / Plätze, die hätten zur Verfügung stehen sollen, von der Stadt ermittelter Bedarf):

  • 6.646 Krippenplätze
  • 18.544 Kindergartenplätze
  • 2.908 Plätze in Kindertagespflege.

Die Stadt schätzte Ende 2013, dass 2014 28.098 Plätze im Vorschulbereich benötigt werden. Diskrepanz tatsächlich betreute Kinder vs. geschätzter Beetreuungsbedarf: 2014 gab es demnach ca. 4507 Plätze zu wenig, wenn man vom ermittelten Bedarf der Stadt ausgeht. Das heißt: Etwa 16% der Familien, die einen Betreuungsplatz brauchen, bekommen keinen!

  • realisierte Plätze 2014:

Im Jahr 2014 entstanden insgesamt 1.332 Plätze für Kinder bis Schuleintritt in Kitas, davon 372 Krippenplätze und 81 Plätze in Kindertagespflege. Diskrepanz Bauplanung vs. realisierte Plätze: 2014 konnten offenbar nur 26% der ursprünglichen 5000 zusätzlichen Betreuungsplätze tatsächlich realisiert werden. Im Januar 2015 wurden bereits 3 neue Einrichtungen in Betrieb genommen, damit stehen weitere 333 Plätze zur Verfügung. (= gesamt: 1665 Plätze)

Bedarfsplanung 2015

  • von der Stadt geschätzter Bedarf 2015:  

Für das Jahr 2015 wurde entsprechend Bedarfsplanung folgender Bedarf ermittelt: Es bräuchte Ende 2015…

  • 6.767 Plätze in der Krippe
  • 18.670 Plätze im Kindergarten
  • 2.961 Plätze in der Tagespflege.

Die Stadt schätzt, dass 2015 28.398 Betreuungsplätze im Vorschulalter benötigt werden. Das sind 300 Plätze mehr als im Vorjahr. Die Stadt müsste in diesem Jahr über 4000 Plätze realisieren, um dem Bedarf entsprechen zu können!

  • Die Stadt schätzt, dass 38,50% der Kinder im Alter 0-3 im Jahr 2015 entsprechend dem Wunsch der Eltern betreut werden sollen,
  • 58,20% im Alter 1-3,
  • 92% im Alter 3-7 (inkl. Hort).

(Link zur Bedarfsplanung der Stadt Leipzig für 2015/16)

  • geplante Kita-Projekte 2015:

Bis Ende 2015 werden nach Aussage des Amts für Jugend, Bildung und Familie  in 14 Neubau- und 7 Erweiterungsmaßnahmen 2.426 Plätze für Kinder bis Schuleintritt, davon 698 Krippenplätze entstehen. Ende 2015 werden also nach wie vor wahrscheinlich mindestens 2000 Plätze fehlen! Darüber hinaus sind für 2015 noch weitere 8 Maßnahmen (4 Neubauten, 4 Erweiterungen) mit 799 Plätzen, davon 240 für Krippenkinder geplant, bei denen gegenwärtig jedoch Verzögerungen im Ablauf eingetreten sind, die möglicherweise dazu führen könnten, dass eine Inbetriebnahme im Jahr 2015 nicht realisierbar ist. Die Baumaßnahmen, die voraussichtlich 2015 fertig gestellt werden sollten:

  1. Kita Riebeck- / Kregelstraße
  2. Kita Lößniger Straße 10
  3. Kita Baestleinstraße 4
  4. Kita Hildegardstraße 56
  5. Kita Wurznerstraße 24-30
  6. Kita Kohlgartenstraße 9
  7. Kita Lutherstraße 4
  8. Kita Seipelweg 16b
  9. Kita Scheffelstraße 42 – KG – Erweiterung
  10. Kita Bornaische Straße 184
  11. Kita Arndstraße 46
  12. Kita Rietschelstraße 52
  13. Kita Ernst Keil Straße 17
  14. Kita Demmeringstraße 83
  15. Kita An der Lehde 14
  16. Kita An der Lehde 12
  17. Kita Stahmelner Straße 28
  18. Kita Fleißnerstraße 2 – Neubau
  19. Kita Richterstrasse
  20. Kita Bothestraße 30

(Für genauere Informationen zu Trägern, Kapazitäten, Stand der Baumaßnahmen, Eröffnung siehe: http://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/kinderbetreuung/kindertagesstaetten/kitaneubauten/.)

Dennoch teilt das Amt für Jugend, Bildung und Familie Leipzig uns mit: „Mit Schuljahresbeginn 2015/2016 wird sich die Lage deutlich entspannen.“ Wir können das den Zahlen aber nicht entnehmen.

Weitere Informationen

  • Angebote der Stadt für Familien ohne Betreuungsplatz:

Zitat des Amts für Jugend, Bildung und Familie uns gegenüber zu unserer Nachfrage diesbezüglich:

„Seit 2007 errichtet die Stadt Leipzig in Kooperation mit Investoren und freien Trägern neue Kitas. Alle Anstrengungen sind darauf gerichtet, ausreichend Plätze vorzuhalten. Im U3-Bereich müssen wir für Kinder planen, die noch nicht geboren sind. Das ist eine große Herausforderung. Die Stadt Leipzig wird in den beiden kommenden Jahren noch mehrere tausend Kita-Plätze schaffen. Das schließt nicht aus, dass es zeitweise zu Engpässen kommt.“

Für die Familien, die keinen Betreuungsplatz ergattern können, hat die Stadt insofern keine Lösung. Es bleibt den Leipziger Eltern insofern nur noch die Möglichkeit von ihrem Recht auf einen Betreuungsplatz Gebrauch zu machen und die Stadt zu verklagen.

  • Kita-Portal:

Zwischen April und Juli 2015 soll das Elternportal / Kitaportal umfunktioniert werden. Zwei wichtige Neuerungen gibt es: 1. Der Elternaccount wird eingeführt, 2. die Arbeit mit Referenznummern beginnt. Was heißt das und wie soll das laufen?

  • Voraussichtlich ab dem 2. Quartal 2015 können sich Eltern einen Benutzeraccount über www.meinkitaplatz.de anlegen. Über den Account haben die Eltern die Möglichkeit, die Daten zum Kind und zu den Sorgeberechtigten zu hinterlegen.
  • Aktuell läuft die Testphase unter Einbeziehung der Verwaltung, einiger Kitas und der Elternschaft.
  • Über den Account können Eltern ihren Betreuungsplatzbedarf elektronisch direkt an die Stadt (bzw. das Amt für Jugend, Familie und Bildung) übermitteln. Die Bedarfsanmeldung kann aber auch weiterhin schriftlich eingereicht werden.
  • Außerdem können die Eltern über den Elternaccount ihre Wunschkitas angeben. Die abgegebenen Wünsche erscheinen in den jeweiligen Kitas und sollen 6 Monate vor gewünschten Betreuungsbeginn durch die Einrichtungen bearbeitet werden.
  • Nach der Abgabe der Bedarfsanmeldung erhalten die Eltern für ihr Kind eine Referenznummer in einem Brief vom Amt für Jugend, Familie und Bildung mitgeteilt. Neue Verträge müssen ab Einführung des Elternaccounts im Kivan mit dieser Referenznummer unterschrieben / verifiziert werden.
  • Die Reservierungsmöglichkeit von freien Plätzen im Kivan bleibt bestehen. Der Elternaccount kann für den Reservierungsvorgang genutzt werden.
  • Die Eltern werden über die Neuerungen in der Presse informiert. Der Ablauf und die Funktionsweise sind in den Fragen und Antworten (FAQ) unter http://www.meinkitaplatz-leipzig.de beschrieben. Weiterhin können sich die Eltern an das Bürgertelefon (0341 123-0) wenden.

Mit dem Elternaccount soll die Lücke zwischen dem Bedarf an Betreuungsplätzen und der tatsächlichen Versorgung klarer werden. Mit Einführung des Elternaccounts benötigen Eltern für den Abschluss eines Betreuungsvertrages in einer Kita also zwingend eine Referenznummer!

  • Betreuungsschlüssel:

Zum 01.09.2015 wird der Personalschlüssel von 1:13 auf 1:12,5 im Kindergartenbereich und von 1:6 auf 1:5,5 im Krippenbereich angehoben. 2016 dann auf 1:12 und 1:5. Allerdings gilt – laut Gesetzesentwurf der sächsischen Staatsregierung dazu – der Personalschlüssel auch dann als eingehalten, wenn 20% davon als Assistenzkräfte (= Sozialassistentinnen, Kinderpflegerinnen, …) beschäftigt werden. Damit hat Sachsen nach wie vor einen nicht ausreichenden Personalschlüssel (zum Vergleich: http://www.laendermonitor.de/uebersicht-grafiken/indikator-9a-personalschluessel-in-kitas/index.nc.html) und es ist davon abgesehen keine Steigerung der pädagogischen Qualität zu erwarten. Das bedeutet: Pro 12 Kinder über 3 bzw. pro 5 Kinder unter 3 Jahren muss dann eine Vollzeitkraft zur Verfügung stehen. In einer Kita mit 120 Plätzen, davon 20 im Krippenbereich haben bisher 11 Erzieherinnen gearbeitet. Ab 2015 würde – durch die neue Mindestvorgabe – in der Kita mit 140 Kindern dann eine Person (oder 1,5 – d.h. 1 Vollzeit und eine Teilzeit-Stelle) mehr eingestellt. Das wird dann allerdings höchstwahrscheinlich keine (für das Land und die Kommune) „teure“ Erzieherin sein, sondern eher eine „günstige“ Sozialassistentin. Und nicht nur das! Tatsächlich könnte die Kita sogar „guten Gewissens“ eine bis 1,5 Erzieherinnen rausschmeissen und dafür Assistenzkräfte einstellen!

Enttäuschung über den Koalitionsvertrag

Am 23. Oktober 2014 haben die zukünftigen sächsischen Regierungsparteien CDU und SPD ihren Koalitionsvertrag für die kommende Legislaturperiode der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist begrüßenswert, dass die Landesregierung darin die Notwendigkeit der Verbesserung der frühkindlichen Bildung erkannt hat, Maßnahmen für eine deutliche Verbesserung der Betreuungsqualität wurden allerdings nicht beschlossen.

Minimalkonsens statt Qualitätsoffensive

Das Land Sachsen wird trotz geringer Verbesserung des Betreuungsschlüssels bis 2016 bzw. 2018 auch zukünftig Schlusslicht in Sachen Betreuungsqualität sein. Eine Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation ist längst überfällig – der Koalitionsvertrag ist offensichtlich Minimalkonsens, von einer Qualitätsoffensive kann nicht die Rede sein.

‚Betreuungsschlüssel‘ nach wie vor missverstanden

Dass die Medien davon sprechen, dass ab 2016 eine Fachkraft ’nur noch‘ 12 statt 13 bzw. im Krippenbereich ab 2018 5 statt 6 Kinder betreuen wird, zeigt, wie wenig von der Materie verstanden wird, denn das wird nicht der Fall sein. Es handelt sich beim Betreuungsschlüssel nicht um einen Gruppenschlüssel, sondern um eine Berechnung: Eine (statistische) pädagogische Fachkraft im Sinne einer 9-Stunden-Vollzeitäquivalente wird in ein statistisches Verhältnis zu 12 (statistischen) Kindern gesetzt. Die meisten Erzieherinnen und Erzieher arbeiten aber in Teilzeit, manche Kinder werden 10 Stunden, andere nur 5 betreut. Der Schlüssel geht davon aus, dass sich das „hinrüttelt“, das tut es aber nicht: Aktuell betreut eine Fachkraft im Kindergartenbereich in Leipzig durchschnittlich zur Hauptzeit etwa 18 Kinder. Dem gesetzlichen Betreuungsschlüssel wird damit dennoch entsprochen.

Verbesserung minimal

Ab 2016 werden es dann nicht mehr 18 Kinder sein, die eine Erzieherin betreut, sondern vielleicht 16 oder 15, aber es sind noch immer zu viele, um eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten oder den sächsischen Bildungsplan umzusetzen. Unserer Forderung nach einer anderen Berechnung des Schlüssels im Sinne einer tatsächlichen Fachkraft-Kind-Relation und einem Betreuungsverhältnis von 1:10 im Ü3- und 1:4 im U3-Bereich kommen die Pläne der Regierung nicht nach. Die Regierung musste den Betreuungsschlüssel verbessern nachdem dieser eines der heißen Wahlkampfthemen war. Dass die Verbesserungen aber dermaßen gering ausfallen, ist enttäuschend!

Zahlreiche Maßnahmen nicht angesprochen

Uns fehlen zahlreiche Punkte, die für eine tatsächliche Verbesserung der Betreuungsqualität wichtig wären: Von der so wichtigen und längst überfälligen Vergütung von Vor- und Nachbereitungszeiten für pädagogische Fachkräfte in Kinderbetreuungseinrichtungen ist zum Beispiel nicht die Rede. Dass das Land Sachsen die Personalkosten für die Verbesserung der Betreuungsrelation übernehmen will ist zwar positiv zu bewerten, kompensiert aber kaum die Betriebskosten, die die Kommunen in den letzten Jahren nahezu allein tragen mussten. Auch zukünftig werden die Landeszuschüsse für die Kinderbetreuung ein Witz sein! CDU und SPD täten gut daran, grundsätzlich über eine Novellierung des sächsischen Kitagesetzes nachzudenken, in dem etwa der Landeszuschuss dynamisiert wird und nicht durch einen Festbetrag geregelt ist.  Die Hauptlast werden weiterhin Kommunen und Eltern tragen. Außerdem kommen in Sachsen ca. 40% der Kinder mit sprachlichen und kognitiven Problemen in die Schule. Das ist ein Problem, auf das reagiert werden müsste, etwa mit einem kostenfreien verpflichtenden Vorschuljahr. Auch hier verpasst die Regierung die Chance, die Probleme tatkräftig anzugehen.

Ausbildung, Forschung stärken positiv, Finanzierung unklar

Positiv ist die Betonung der qualitativen Verbesserung von Aus‐,  Fort‐ und  Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte für frühkindliche Bildung sowie das Vorhaben, frühkindliche Bildungsforschung stärker anzuregen. Auch die Weiterentwicklung von Kindertagesstätten zu Familienzentren sehen wir als ein positives Signal für eine sinnvollere Gestaltung frühkindlicher Bildung.“Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung diese Vorhaben auch finanziell untermauern und die Kommunen bei der Umsetzung effektiv unterstützen wird.

Natürlich ist frühkindliche Betreuung ein finanzieller Kraftakt, für Kommunen ebenso wie für das Land. Aber es geht dabei um so Vieles: Um die nachwachsenden Generationen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa. Die Prioritäten müssen an dieser Stelle klar sein und gegebenenfalls andere Projekte hintenan gestellt werden.

Rechtsanspruch auf Verwahrung?

Zu wenig Erzieher für zu viele Kinder in Sachsen

Die Erkenntnis ist nicht neu: Sachsen zählt zu den Bundesländern mit den schlechtesten Betreuungsschlüsseln in Kindertageseinrichtungen – sowohl auf dem Papier als auch in der Realität. Das bestätigte jüngst erneut eine Studie der Bertelsmann Stiftung (> zur Meldung). Demnach fehlen in Sachsen 16.700 Erzieherinnen und Erzieher. Eine Betreuerin müsste in Sachsen im Durchschnitt 6,3 Krippen- und 13,5 Kindergartenkinder betreuen. Experten empfehlen hingegen ein Verhältnis von 1:3 in der Krippe und höchstens 1:7 im Kindergartenbereich. Der Rechtsanspruch und die in Leipzig vorgenommenen Maßnahmen zur kurzfristigen Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze haben die reale Betreuungssituation in Leipziger Kindertagesstätten noch verschärft.

Zustände in Leipziger Kitas katastrophal 

Wir haben in verschiedenen Leipziger Kinderbetreuungseinrichtungen nach den Arbeitsbedingungen und Problemen gefragt. Die Rückmeldungen sind mehr als beunruhigend:

„Wir können den Betrieb nur mit Schülerpraktikantinnen aufrecht erhalten.“

„Jeder Krankheitsfall bringt uns an unsere Grenzen, es gibt keine Erzieher die einspringen können.“

„Ich habe so viele Überstunden, dass ich bis Herbst Urlaub machen könnte.“

„Pädagogische Arbeit ist nicht mehr möglich, es geht nur noch darum, das Chaos zu verwalten.“

„Ich habe mir die Arbeit wertvoller vorgestellt.“

Das sind nur einige Aussagen von Erzieherinnen und Erziehern uns gegenüber. Wir waren wirklich schockiert, als wir mit den Kitas telefoniert haben. Obwohl wir durch zahlreiche Schilderungen von besorgten Eltern vorbereitet waren, sind die Rückmeldungen aus den Kitas schlimmer, als wir erwartet haben. Viele Erzieherinnen und Erzieher wünschen sich mehr Unterstützung von der Kommune und endlich eine Verbesserung des Personalschlüssels. Das Spardiktat der CDU-geführten Landesregierung wird auf den Rücken der Kinder und den Erzieher und Erzieherinnen ausgetragen! Unsere Kinder haben gute, liebevolle Betreuung verdient, keine Verwahrung!

Personalschlüssel ist kein Gruppenschlüssel

Der Betreuungsschlüssel in Sachsen ermöglicht schon jetzt wenig qualitative pädagogische Arbeit. Zunächst einmal muss deutlich gemacht werden, dass der Personalschlüssel kein Gruppenschlüssel ist. Es handelt sich um eine Berechnung mit Vollzeitäquivalenten und nicht um tatsächliche Einzelpersonen, die für je 6 Krippen- oder 13 Kindergartenkinder verantwortlich wären. Viele Erzieherinnen und Erzieher haben Teilzeitstellen, Gruppengrößen um die 18 Kinder sind in Leipzig normal und nach Aussage des Jugendamts auch im rechtlichen Rahmen. In vielen Kitas ist die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation durch offene oder teiloffene Arbeit ohne feste Bezugsgruppen außerdem schwammig und vermutlich faktisch noch schlechter. Das sächsische Kita-Gesetz sieht diesbezüglich keine konkreten Reglungen vor. Kommen Personalausfälle durch Urlaub und Krankheit hinzu, verschlimmert sich die Situation. Aus Leipziger Kindertagesstätten kamen 2013 allein sieben Überlastungsanzeigen. Das muss wachrütteln!

Auch Vor- und Nachbereitungszeiten fehlen

Elternverbände und Gewerkschaften fordern schon lange die Verbesserung der Personalstruktur in sächsischen Kitas. Ende 2013 wurde eine 77.000 Unterschriften starke Petition im sächsischen Landtag eingereicht. Bei dieser geht es auch um die Einführung von Vor- und Nachbereitungszeiten. Der auf den Papier festgesetzte Betreuungsschlüssel kann in der Realität meist nicht eingehalten werden, da Verwaltungsaufgaben oder Vor- und Nachbereitungszeiten der pädagogischen Arbeit im Personalschlüssel nicht in ausreichendem Umfang eingeplant sind. Wollen Erzieherinnen und Erzieher Entwicklungsdokumentation, Elterngespräche und pädagogisch durchdachte Angebote leisten, wie im sächsischen Bildungsplan gefordert, müssen sie dies oft in ihrer Freizeit erledigen.

Am 31. August für gute Kinderbetreuung wählen

Ein Umdenken ist dringend notwendig. Bei der Kinderbetreuung darf es nicht nur um Quantität gehen, sondern auch um Qualität! Mehr Erzieher, ein Personalschlüssel entsprechend einer realen Fachkraft-Kind-Relation, idealerweise von 1:3 im Krippen- und 1:7 im Kindergartenbereich, eine angemessene Entlohnung für die Erzieherinnen und Erzieher, bezahlte Vor- und Nachbereitungszeiten, ein Pool von Erzieherinnen, die im Krankheitsfall einspringen können, gute und regelmäßige Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen und kleine Gruppen sind wesentliche Bausteine für eine verantwortungsvolle frühkindliche Bildung. Ein Bündel von verbessernden Maßnahmen ist notwendig, um die Arbeit im Bereich der Frühpädagogik wieder attraktiv zu machen und nicht zuletzt unseren Kindern gerecht zu werden. Die sächsische Landtagswahl am 31.08.2014 sehen wir als Chance und hoffen, dass Wähler und Parteien diese im Sinne einer guten Kinderbetreuung nutzen werden .

Gelegenheit, die Positionen zur Kinderbetreuung der zur Wahl stehenden Parteien in Erfahrungen zu bringen gibt es zum Beispiel beim „Kita-Talk“ am 23.08.2014, von 10:30 – 11:30 Uhr im Podium Nikolaikirchhof, veranstaltet vom Gesamtelternrat Leipzig.

Veranstaltungstext:

Wir möchten eine Woche vor der Landtagswahl den Eltern und Familien in
Leipzig die Chance geben, die Landtagskandidaten der Parteien
kennenzulernen und deren Standpunkt zum Thema „Kita“ zu erfahren.

Zum „Kita-Talk“ laden wir alle großen Parteien in Sachsen ein, mit uns
auf einem Podium die Rahmenbedingungen in Sächsischen Kitas zu
diskutieren. Infostände und ein familiäres Rahmenprogramm runden die
Veranstaltung ab.